Handelsleitfaden
Incoterms für europäische Straßenfracht: EXW, FCA, DAP, DDP erklärt 2026
Praxisleitfaden zu den wichtigsten Incoterms im europäischen Straßengüterverkehr: EXW, FCA, CPT, DAP, DDP. Wer zahlt was, wer trägt das Risiko und welchen wählen.
1. Was sind Incoterms?
Incoterms (International Commercial Terms) sind standardisierte Handelsregeln der Internationalen Handelskammer (ICC). Sie definieren, wer für Kosten, Risiko und Versicherung in jeder Phase einer Sendung verantwortlich ist. Incoterms 2020 ist die aktuelle Version, gültig seit 1. Januar 2020. Für europäischen Straßengüterverkehr dominieren vier Incoterms: EXW (Ex Works), FCA (Free Carrier), DAP (Delivered at Place) und DDP (Delivered Duty Paid). Die richtige Wahl beeinflusst Ihre Frachtkosten, Risikoexposition und Zollpflichten.
2. EXW — Ex Works (Ab Werk)
Der Verkäufer stellt die Ware in seinen Räumlichkeiten bereit. Der Käufer organisiert und bezahlt den gesamten Transport, die Versicherung und jede Zollabfertigung. Das Risiko geht am Tor des Verkäufers auf den Käufer über. EXW wird häufig verwendet, ist aber oft problematisch: Der Käufer hat wenig Kontrolle über den Verladevorgang, und in vielen EU-Ländern ist der Verkäufer technisch für die Exportzollformalitäten verantwortlich, selbst unter EXW. Für innergemeinschaftlichen Handel (kein Zoll) funktioniert EXW ausreichend. Für grenzüberschreitenden Handel außerhalb der EU ist FCA generell vorzuziehen.
3. FCA — Free Carrier (Frei Frachtführer)
Der Verkäufer liefert die Ware an einen vom Käufer benannten Frachtführer an einem benannten Ort. Erfolgt die Lieferung beim Verkäufer, belädt der Verkäufer den LKW. Erfolgt sie an einem anderen Ort (z.B. einem Frachtterminal), endet die Verantwortung des Verkäufers, wenn die Ware dort ankommt. Das Risiko geht über, wenn die Ware dem Frachtführer übergeben wird. FCA ist der empfehlenswerteste Incoterm für europäischen Straßengüterverkehr — er trennt Verkäufer- und Käuferverantwortlichkeiten klar und funktioniert sowohl für innergemeinschaftlichen als auch grenzüberschreitenden Handel.
4. DAP und DDP — Lieferbedingungen
DAP (Delivered at Place): Der Verkäufer trägt alle Kosten und Risiken, bis die Ware am benannten Bestimmungsort ankommt, entladebereit. Der Käufer übernimmt Importzoll und Entladung. DDP (Delivered Duty Paid): Der Verkäufer trägt alle Kosten, Risiken, Zollabfertigung und Abgaben bis zur Lieferung. DDP bietet dem Käufer maximale Bequemlichkeit, dem Verkäufer maximale Verantwortung. Für innergemeinschaftlichen Handel sind DAP und DDP praktisch identisch (keine Zölle). Für Sendungen nach UK oder in die Schweiz ist der Unterschied erheblich — DDP bedeutet, dass der spanische Verkäufer die UK/CH-Importzollformalitäten übernimmt und die Import-MwSt. für den Käufer zahlt.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Incoterm ist am besten für europäischen Straßengüterverkehr?
FCA (Free Carrier) ist der empfehlenswerteste Incoterm für europäischen Straßengüterverkehr. Er definiert klar, wo das Risiko übergeht, funktioniert für EU- und Nicht-EU-Handel und vermeidet die Verlade-Ambiguitäten von EXW.
Was ist der Unterschied zwischen DAP und DDP?
Unter DAP liefert der Verkäufer die Ware zum Bestimmungsort, der Käufer übernimmt Importzoll und Abgaben. Unter DDP übernimmt der Verkäufer alles inklusive Importzoll und Abgaben. Für innergemeinschaftliche Sendungen (kein Zoll) sind DAP und DDP funktional identisch. Für UK- oder Schweiz-Sendungen bedeutet DDP, dass der Verkäufer die Import-MwSt. zahlt und den Zoll abwickelt.
Beeinflusst der Incoterm mein Frachtangebot?
Ja — der Incoterm bestimmt, welche Partei den Transport organisiert und bezahlt. Unter EXW oder FCA holt typischerweise der Käufer das Frachtangebot ein. Unter DAP oder DDP organisiert der Verkäufer den Transport, und die Frachtkosten sind im Verkaufspreis enthalten.
Kann ich maritime Incoterms (FOB, CIF) für Straßenfracht verwenden?
Technisch ja, aber nicht empfehlenswert. FOB, CFR und CIF sind für Seefracht konzipiert und beziehen sich auf den Verschiffungshafen. Ihre Verwendung für Straßenfracht erzeugt Unklarheit darüber, wo das Risiko übergeht. Die ICC empfiehlt FCA statt FOB und CIP statt CIF für allen nicht-maritimen Transport.